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 In Allgemein, K-Rückblick

In den frühen Morgenstunden des 1. August 1976, stürzte die Wiener Reichsbrücke einUm 04:45 Uhr an einem frühen Sonntag morgen kommt ein junger Mann dabei ums Leben. Ein anderer, der überlebte, erinnert sich: „Nicht nur die Brücke, auch der Mythos ihrer Unzerstörbarkeit versank damals in der Donau!“ Vier Fahrzeuge – darunter ein VW Käfer – befinden sich zu diesem Zeitpunkt auf der Reichsbrücke zwischen 2. und 22. Bezirk. Die Wucht des Einsturzes der Brücke ist so stark, dass die Seismografen auf der Wiener Hohen Warte wie bei einem Erdbeben ausschlagen. Die Reichsbrücke war und ist nicht irgendeine Brücke. 1876 wurde sie als Kronprinz-Rudolf-Brücke eröffnet, die den zweiten Wiener Gemeindebezirk mit Kaisermühlen und Kagran, die damals noch nicht Teil von Wien waren, verband. Nach dem Zerfall der Monarchie 1919 erhielt die Brücke den Namen Reichsbrücke. 1930 wurden Schäden entdeckt. Statt der Sanierung verfügte der damalige Kanzler Engelbert Dollfuß 1933 den Neubau. Die zweite Reichsbrücke wurde nach dem Vorbild der ersten als Kettenbrücke errichtet – und war auch politisches Statement: Wie andere Infrastrukturprojekte dieser Zeit, zum Beispiel die Höhenstraße oder die Großglockner Hochalpenstraße, diente sie als prestigeträchtiges Projekt.

Zur Einweihung 1937 wurde eigens ein “Reichsbrückenlied” geschrieben: “Heil der Arbeit, die verbindet / Kluft und Spaltung überwindet / Heil dem Werk, Heil unserm Land!” – Der Fahrer eines VW Käfers hatte in dieser Nacht des 1. August 1976 zweimal Glück. Stunden zuvor hat sich der VW Käfer beim Praterstern überschlagen – ohne gröbere Schäden für Auto wie Insassen. Mithilfe eines Polizisten wurde der Käfer wieder aufgestellt, lediglich ein Reifen war platt. Bis zur nächsten Tankstelle auf der anderen Donauseite versuchte man es trotzdem. Doch der Volkswagen kommt nur bis zur Reichsbrücke, dort steht man schließlich ohne Ersatzreifen und Wagenheber da. Der Mann muss auf den ÖAMTC warten. Es gelingt dann jedoch, die Panne mithilfe jenes jungen Manns zu beheben, der kurze Zeit später beim Brückenunglück stirbt. Die Situation an der Reichsbrücke nach dem Einsturz ist chaotisch. Nach rund 20 Minuten sind die Einsatzkräfte vor Ort. Wasser überflutet den Handelskai, Telefonleitungen über die Donau sind unterbrochen, Gas strömt aus Leitungen….

Gut 1 1/2 Stunden nach dem Einsturz tagt um 6.30 Uhr in der Früh der erste Krisenstab im Rathaus. Am Anfang war sogar über einen Anschlag gemutmaßt worden: “Die Geräusche bei dem Einsturz hätten, so Anrainer, auf einen derartigen Anschlag schließen lassen”, heißt es in einer Nachrichtenmeldung. Die übrigen Donaubrücken wurden penibel kontrolliert. Bereits kurz nach dem Einsturz erklärte die Wiener Stadtregierung eine Fremdeinwirkung für höchst unwahrscheinlich. Zugleich gab die Stadtregierung bekannt, dass die Brücke im Jahr der Katastrophe insgesamt siebenmal überprüft worden sei, wobei keine erheblichen Mängel hätten festgestellt werden können. Schuld an der Katastrophe waren aber technische Mängel. Eine der Hauptursachen war ein Brückenpfeiler, der in der Zwischenkriegszeit mit minderwertigem Beton errichtet worden war. Schon Tage nach dem Einsturz gab es ein reges Geschäft rund um die Brücke. So wurden etwa Schrauben und Nieten eingesammelt und an Ort und Stelle um 20 Schilling pro Stück verkauft. Eine Trafikantin aus Kaisermühlen kaufte alle Ansichtskarten der Reichsbrücke, die sie bekommen konnte, und verkaufte sie als letzte Souvenirs des eingestürzten Bauwerks. Um die Verbindung der beiden Donauseiten wiederherzustellen, beschloss man einen raschen Neubau der Reichsbrücke. Im Jänner 1978 wurde begonnen, im November 1980 wurde die neue, nun dritte Reichsbrücke eingeweiht. 

Der Einsturz der Reichsbrücke hat sich tief in das Gedächtnis der Zweiten Republik eingebrannt, wie der Historiker Peter Payer schreibt: “Österreich und Wien hatten ein zentrales Symbol ihrer Identität verloren.” Überlebender Fürst sagt: “Dass etwas, das so unverwüstlich ausschaut, sich plötzlich so verbiegen kann, das hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Für mich war die Reichsbrücke etwas Unzerstörbares, das war sie auch für viele andere.”Am gleichen Tag, wenige Stunden später, hatte Niki Lauda seinen spektakulären Unfall am Nürburgring. Den er nur knapp überlebt. Die österreichische Nation erlebt zwei Erschütterungen an ein und demselben Tag. Heute wird die Reichsbrücke im Jahresdurchschnitt täglich von ca. 39.000 Autos und an Werktagen von über 43.000 Fahrzeugen täglich befahren. Sie stellt damit eine der wichtigsten Verbindungen der Wiener Innenstadt mit den Stadtteilen am linken Donauufer und dem Umland im Nordosten Wiens dar.


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