In MKI - Monatliches Kriseninterview

Das Kriseninterview für Mai haben wir mit André Gazsó, Vorsitzender der Österreichischen Nanoinformationskommission (NIK) des Bundesministeriums für Gesundheit, geführt.

Eine Krise ist ein Umschlags- oder Wendepunkt

Emerisis: Was heißt für Sie Krise?

André Gazsó: Eine Krise ist jener Punkt einer Entwicklung, an dem ein bestimmtes System einen prinzipiell anderen Zustand einnehmen kann. Dieser Zustand kann deutlich besser oder deutlich schlechter sein als der Ausgangszustand. Insofern ist die Krise ein Umschlags- oder Wendepunkt. Betrachtet man nur negative Ereignisse, dann ist es jener Punkt, nach dem ein tatsächlicher Schaden eintritt. Medzinisch betrachtet kann aber nach einer Krise auch die (vollständige) Heilung eintreten. Prinzipiell ist eine Krise ein Ereignis, an dem eine Entscheidung stattfindet (von gr. krinein = unterscheiden, siehe auch „Kritik“).

Die Fähigkeit zur Hypothesenbildung hilft enorm

Emerisis: Was ist für Sie das Wichtigste in einer Krise?

André Gazsó: Die Möglichkeit, dass auf Grund unserer Fähigkeit, systematische Zukunftsszenarien zu entwickeln (beginnt schon mit der Hypothesenbildung), Krisen im Prinzip abgewendet werden können.

Risikobewusstsein und Risikomanagement sind unerlässlich

Emerisis: Wie kommt man am besten aus einer Krise?

André Gazsó: Vorbereitung. Das umfasst sowohl das Risikobewusstsein (risk awareness) als auch ein entsprechendes antizipierendes Risikomanagement (risk preparedness). Das setzt allerdings voraus, dass bereits lange vor der Krise entsprechende Wissensbestände prophylaktisch erarbeitet (systematische Erfassung von emerging risks) und entsprechende Entscheidungsstrukturen (etwa inter- und transdisziplinäre Expertengremien) aufgebaut werden. Das inkludiert auch eine entsprechende wissenschaftsbasierte Politikberatung.

André Gazsó ist ausgebildeter Philosoph und Biologe mit dem Spezialgebiet Risikoforschung. Er arbeitet derzeit vor allem zu Nanotechnologien. Seit 2013 ist André Gazsó Vorsitzender der Österreichischen Nanoinformationskommission (NIK) des Bundesministeriums für Gesundheit.

Bildquelle: Institut für Technikfolgenabschätzung

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